DAZ

Veröffentlicht: Donnerstag, 28. Januar 2016 Geschrieben von Tinsberger Schule

Deutsch als Zweitsprache

 

  1. Situation der Tinsberger Schule

Unsere Schüler/innen können sich zu einem großen Teil verständlich machen, was alltägliche Dinge betrifft. Wenn es um schulisch relevanten Wortschatz und Satzstrukturen geht, sind sie jedoch kaum in der Lage, erfolgreich mitzuarbeiten. Das liegt zum einen an den Schwierigkeiten beim Verstehen von Anweisungen, Aufgaben und Texten, zum anderen an der nur wenig ausgebildeten Kompetenz Ergebnisse präzise und richtig darzustellen, sich zu äußern oder Texte zu verfassen. Während Kinder mit Deutsch als Erstsprache Schwierigkeiten bei komplexeren Strukturen haben, sind für DaZ-Kinder schon einfache Strukturen schwierig.

Dazu kommen die Kinder, die gar keine oder kaum Deutschkenntnisse aufweisen und erst Grundkenntnisse erwerben müssen. (Seiteneinsteiger)

Die Qualität der deutschen Sprachkenntnisse ist für den erfolgreichen Schulbesuch ausschlaggebend, sprachliche Defizite wirken sich kumulativ in allen Fächern, besonders aber den Sachfächern aus. Deshalb ist eine frühe, gezielte, strukturierte Förderung  für alle Kinder wichtig.

Das bedeutet für uns:

  • Deutsch als Zweitsprache ist durchgehendes Unterrichtsprinzip

      die Erstsprachen der Kinder werden wertgeschätzt und  soweit wie   

     möglich in den Unterricht einbezogen

  • Lehrer eignen sich Kenntnisse über die Stolpersteine und besonderen Schwierigkeiten der deutschen Sprache an und betrachten jeden Lerngegenstand aus der Perspektive des DaZ-Lernenden
  • Arbeitsmaterialien und Aufgabenstellungen werden nicht nur hinsichtlich ihrer fachlichen Schwierigkeiten, sondern ebenfalls hinsichtlich ihrer sprachlichen Anforderungen differenziert angeboten.

 

  1. Deutsch als Zweitsprache als durchgehendes Unterrichtsprinzip

 

2.1 Entwicklung und Umsetzung dieses Ansatzes

Bedingt durch die Komplexität dieses Ansatzes und seiner Vernetzung mit allen Fächern, ist die Umsetzung nicht in allen Klassen gleich weit entwickelt.

Das Konzept versteht sich als eine Ist- und als eine Zielbeschreibung. Implementierung und Evaluation wechseln sich in jeder Lerngruppe und bei jeder Lehrkraft ab und entwickeln so den Ansatz weiter.

 

2.2 Unterrichtsplanung

Wir können bei unseren Schüler/innen nicht auf ein „Sprachgefühl“ zurückgreifen. Benötigte sprachliche Strukturen sowie Wortschatz können nicht vorausgesetzt, sondern müssen in jedem Fach vermittelt und ausreichend geübt werden. Deshalb bedenken und berücksichtigen wir bei jeder Unterrichts-planung die sprachlichen Probleme der Kinder.

Das bedeutet für die Aufbereitung des Lerngegenstandes nicht zwangsläufig, dass alle Schwierigkeiten eliminiert werden. Stattdessen soll bei jedem Unterrichtsvorhaben immer auch der Ausbau der Deutschkenntnisse mit verfolgt werden. Konkret heißt das:

  • Welcher Wortschatz, vor allem auch Verben, Präpositionen und bezugnehmende Wörter
  • welche Satzstrukturen,
  • welche grammatikalischen Besonderheiten
  • welche textspezifischen Besonderheiten/Stil

wird/werden für diesen Lerngegenstand benötigt?

Methoden und Arbeitsformen sind:

  • Lernwortarbeit (in den meisten Klassen als Lernwortkarten)
  • Textentlastung und Textaufbereitung mit dem 2-Spalten-System (Text und in der Spalte daneben die Erklärung zu den unbekannten Wörtern)
  • Sprechen und Schreiben anhand von vorgegebenen/ eingeübten Satzmustern
  • Generatives Schreiben
  • Bereitstellen eines Gerüstes, anhand dessen Kinder einen Text/Beitrag verstehen oder verfassen können (Scaffolding)
  • Reflektion über zu erwerbende und neu erworbene Deutschkenntnisse

 

2.3 Unterrichtsdurchführung

Die Lehrkraft ist oft die Einzige, die ein richtiges Sprachvorbild liefert, deshalb ist eine klare, eindeutige, auf das Wesentliche reduzierte Lehrersprache mit Vor-bildcharakter sehr wichtig.

Unsere Kinder müssen ihr Sprachhandeln oft und bewusst erproben und erwei-tern. Dem tragen wir durch regelmäßige, zum Teil ritualisierte Sprachhandlungen Rechnung, wie z.B. dem Wochenend-Erzählkreis, täglichen Erzählrunden, Vor-stellen des Tagesplans durch die Kinder, Vor – und Nachsprechen von Lern-wörtern und Satzmustern u.ä..  Das Singen und Auswendig Lernen von Liedern spielt ebenfalls eine große Rolle.

Um Kindern ihr Sprachverhalten bewusst zu machen und richtige Sprachformen zu etablieren verwenden wir Korrektive Feedbacks und Monitoring:

Beim Korrektiven Feedback geht es nicht um das ständige , demotivierende Verbessern von Fehlern, sondern darum in liebevoller, ermutigender Art und Weise das Wort, den Satz oder den Sachverhalt sprachlich richtig zu präsentieren. Das gilt grundsätzlich für jede Sprachäußerung im Schulalltag.

Durch das Monitoring wird bei den Kindern eine Fragehaltung zugelassen, die später zu einer Kontrollhaltung wird, indem sprachliche Unsicherheiten thematisiert und zunächst seitens der Lehrer/In oder anderer Kindern geklärt werden. Zunehmend wollen wir unsere Schüler/Innen befähigen, auch im Wörterbuch oder Internet nachzuschauen. Aus diesem Grund schenkt der Förderverein jedes Jahr allen Kindern der Klasse 2 ein Grundschulwörterbuch.

Durch Teamteaching und Doppelbesetzung ist es möglich, mit vielen Kindern in den sprachlichen Austausch zu kommen und individuell Hilfen anzubieten. Besonders wichtig ist uns das in der Schuleingangsphase, wenn noch viele Kompetenzen mündlich erworben werden müssen.

Aspekte anderer Kulturen und Sprachen können den Unterricht bereichern und Kindern Strukturen des Deutschen verdeutlichen. Deshalb beziehen wir diesbezügliche Vergleiche und Erfahrungen mit ein, wo immer es sinnvoll ist und von den Kindern eingebracht wird.

Grundsätzlich sollte den Kindern erlaubt sein, auch in ihrer Muttersprache zu kommunizieren. Die wichtige pädagogische Arbeit liegt hier darin, die Schüler/Innen für die dringende Notwendigkeit des Erlernens der deutschen Sprache zu sensibilisieren. Darüber hinaus müssen Grenzen und Schwierigkeiten verdeutlich, die bei Austausch in einer von anderen nicht verstandenen Sprache entstehen können.

 

2.4 Unterrichtsevaluation

Vom Lehrerteam wird überprüft, ob das verwendete und erstellte Unterrichts-material von den Kindern erwartungsgemäß bearbeitet werden konnte. Aufge-tretene Schwierigkeiten werden festgehalten und Materialien entsprechend geändert oder ergänzt.

 

2.5 Seiteneinsteiger

Kinder, die ohne Deutschkenntnisse in die Tinsberger Schule kommen, müssen erst einmal Grundkenntnisse erwerben. Das ist nur in täglicher Einzelförderung, wenn es gerade passt auch in Kleingruppenförderung möglich und sinnvoll. Diese Grundkenntnisse üben und erproben sie innerhalb der individuellen Förderung im Klassenverband weiter. Im Sinne des Sprachbades nehmen die Seiteneinsteiger ansonsten am Unterricht teil. Durch Ritualisierung oder Einsatz von Symbolen erleichtern wir diesen Kindern die Teilhabe am Schulleben.